Klingbeil lässt offen, ob er erneut für den SPD-Vorsitz kandidiert
SPD-Co-Vorsitzender Lars Klingbeil sagte, er klammere sich nicht an das Amt, und ließ nach dem Rücktritt von Bärbel Bas als Co-Vorsitzende und Arbeitsministerin eine erneute Kandidatur offen.

Die Fakten
- Bärbel Bas trat am Montag als Bundesarbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende zurück; als Gründe nannte sie laut Die Welt einen Todesfall in ihrer Familie und Angriffe 'aus den Reihen des Koalitionspartners'.
- Klingbeil ließ offen, ob er erneut antreten wird, und sagte im 'heute journal' des ZDF, es gehe um 'die bestmögliche Aufstellung', nicht um das Klammern an ein Amt.
- Die SPD plant, ihre gesamte Führung auf einem Parteitag im Dezember oder Januar zu wählen, berichtete Die Welt.
- Juso-Vorsitzender Philipp Türmer begrüßte einen 'personellen Neustart' und sagte, die Partei brauche 'einen Plan und Ideen für die Zukunft'.
- Die FAZ berichtete, der designierte Arbeitsminister Alexander Schweitzer habe Vorschläge einer von ihm so bezeichneten 'Professorenkommission' zur Rente abgelehnt.
Bärbel Bas trat am Montag als Bundesarbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende zurück. Laut Die Welt nannte sie einen Todesfall in ihrer Familie und Angriffe 'aus den Reihen des Koalitionspartners' als Gründe. Der SPD-Co-Vorsitzende Lars Klingbeil sagte am Montag im 'heute journal' des ZDF: 'Ich weiß, welche Kritik es gibt.'
Klingbeil sagte: 'Es geht nicht um mich, und es geht nicht darum, dass ich mich an ein Amt klammere, sondern um die bestmögliche Aufstellung.' Er kündigte einen Parteitag 'um den Jahreswechsel' an, auf dem 'die gesamte Führung der SPD' zur Wahl stehen solle, und sagte, er wolle die Doppelspitze beibehalten. Die Welt berichtete, der Parteitag werde im Dezember oder Januar stattfinden. Ob er erneut als Parteivorsitzender antreten werde, ließ Klingbeil offen.
Juso-Vorsitzender Philipp Türmer sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland, der angekündigte Parteitag schaffe die Grundlage dafür, 'alle Diskussionen über die Zukunft der SPD mit der Breite der Partei' zu führen. 'Wir brauchen wieder einen Plan und Ideen für die Zukunft – und Köpfe, die glaubwürdig dafür stehen', sagte Türmer. Er sagte, es sei gut, 'dass alles auf den Tisch kommt', und Klingbeils Signal der Bereitschaft zu einem breiten personellen Neustart verdiene Anerkennung. Die Welt berichtete, die Jusos hätten kritisiert, dass Klingbeil und Bas sowohl den Parteivorsitz als auch Ministerämter innehatten.
In der ARD-Sendung 'Brennpunkt' sagte Klingbeil, es seien 'Grenzen überschritten' worden. Im 'heute journal' des ZDF sagte er, 'politische Angriffe' sollten zurückgefahren werden, 'gerade in diesen Zeiten, in denen die wichtigen politischen Akteure wissen, dass derzeit ein Todesfall vorliegt'. Klingbeil sagte, Bas habe trotz des Trauerfalls mehrere Gesetze in die 'Frühkoordinierung' gegeben und der vereinbarte Zeitplan für die Rentenreform sei eingehalten worden. Unionspolitiker hatten Bas beschuldigt, vereinbarte Reformen zu verzögern, berichtete Die Welt.
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), der laut Die Welt auch für den Parteivorsitz diskutiert wird, sagte am Montag auf einer Pressekonferenz, er habe bei einem solch 'tragischen, traurigen Anlass' keine 'zusätzlichen öffentlichen Angriffe auf eine Ministerin' erwartet. 'Ich glaube, darüber kann es keine zwei Meinungen geben', sagte er. Pistorius bestritt, eigene Ambitionen auf das Amt zu haben.
Die FAZ berichtete über den Wechsel im Arbeitsministerium. Sie schrieb, der designierte Minister Alexander Schweitzer, stellvertretender SPD-Vorsitzender und Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, habe gesagt, die Rente müsse 'klar und sicher' sein, und Vorschläge einer von ihm so bezeichneten 'Professorenkommission' 'dürften keine Unterstützung der SPD erhalten'. Die FAZ merkte an, zu den führenden Mitgliedern der Kommission gehörten Pascal Reddig (CDU), Florian Dorn (CSU) und Annika Klose (SPD). Die FAZ berichtete außerdem, Bas' Ministerium habe vorgehabt, im Oktober den ersten und entscheidenden Gesetzentwurf zur Umsetzung des Reformpakets vorzulegen, und seine Agenda habe Lücken aufgewiesen, darunter die in der Koalition vereinbarte Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit.
Hintergrund
Die SPD regiert in einer Koalition mit CDU und CSU, die die FAZ die 'schwarz-rote Koalition' nennt. Die Welt berichtete, die Kritik an der SPD-Führung sei in der Partei wegen schlechter Umfragewerte und Wahlergebnisse gewachsen.
So titelten die Medien
- Der SpiegelSPD: Nach dem Rücktritt von Bärbel Bas geht Lars Klingbeil aufs Ganze
- FAZWechsel im Sozialressort: Der Neue hat ein Problem mit Bas’ Rentenreform
- Die Welt„Gut, dass alles auf den Tisch kommt“ – Philipp Türmer begrüßt „personellen Neustart“ der SPD
- Die Welt„Es geht um die bestmögliche Aufstellung“ – Klingbeil lässt erneute Kandidatur für SPD-Spitze offen
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